Es ist wahrhaft interessant, wie man nach einigen Tagen und Nächten am Wasser eine Art Symbiose mit der Natur einzugehen vermag. Nach einer gewissen Zeit entwickelt man seinen eigenen Ablauf, versucht jeden Augenblick einzufangen und die Energie daraus aufzusaugen. Bei uns war es mal wieder soweit, ein kleines aber feines Abenteuer stand vor der Tür und wartete nur darauf, dass wir endlich loslegen.

Am Anfang war geplant, dass Robin und Ich nach Frankreich fahren um dort eine Woche an einem interessanten See zu verbringen. Schlussendlich haben wir uns aber dagegen entschieden und wollten lieber ein wenig in unseren Gefilden umher fahren und verschiedene Gewässer befischen. In den nächsten Wochen nehmen wir Euch mit auf unsere Reise und wollen Euch Gewässer für Gewässer einen kurzen Einblick verschaffen.

Gesagt, getan! Den Start machten wir an einem uns bekannten Stadtteich ganz in unserer Nähe. Das Wetter war einfach dermaßen perfekt für das Gewässer und die Fische waren unfassbar aktiv, sodass wir sozusagen dazu gezwungen wurden, hier zu starten. Da das Gewässer ziemlich flach ist, waren die Fische hier schon mit dem Laichen durch oder zu mindestens ganz kurz davor. Eines stand auf jeden Fall fest – die hatten richtig Hunger. Wir füttern dreimal vor und versenkten dabei einiges an Futter. Da die Fische richtig Bock hatten und auch noch ein sehr guter Bestand vertreten ist, waren wir uns sicher, dass wir definitiv nicht zu viel füttern konnten.

Spiegler am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen.

Früh am Morgen starteten wir auf unseren Futterplätzen. Es dauert ungefähr 5 Minuten und der Erste lag auf der Matte. Einigen Minuten Später standen wir beide mit krummer Rute nebeneinander. Wenig später wiederholte sich der Spaß erneut.

Dieser kleine Schuppmann konnte einem gelben Poppi im Hinge Rig nicht widerstehen.
Die neue Schere ist der Hammer. Schneidet einfach alles.

 

Auch Kröpel werden gewogen, wenn der größte Fisch im See einer ist.

Die Fische waren da und langten richtig zu. Schlussendlich könnten wir viel über Strategien erzählen, aber um ehrlich zu sein haben wir dort und eigentlich auch an allen folgenden Gewässern, nur mit zwei Rigs gefischt. Dem Standard „Blowback Rig“ und dem „Hinge Rig“. Mehr brauchten wir nicht. Warum? Es hat funktioniert und deckt alles ab. Weder Robin noch Ich, sind Freunde von Spielereien. In bestimmten Situationen mag das unter Umständen einen Unterschied machen. Am Ende ist das Ganze sowieso eine Glaubensfrage. Ihr solltet das verwenden, dass Euch Vertrauen gibt. Vertrauen ist individuell und absolut essentiell. Viel wichtiger ist in unseren Augen die Rig sowie Haarlänge in Bezug auf die Jahreszeit, Futtermenge, Futtertaktik, Hakenköder und Gewässergrund. Da wird sich viel zu wenig Gedanken gemacht. Aber nun zurück zum Wasser.

Dieser kleine Parkteich ist übersäht mit Hindernissen, Stegen, Bojen und Betonteilen. Interessanterweise sind alle Gewässer mit Hindernissen übersäht gewesen, die wir in den letzten Tagen befischt haben – aber dazu später mehr. An dem Parkteich konnten wir mal wieder feststellen, dass es besser ist nur 1 Stunde am richtigen Platz, als eine ganze Nacht an dem falschen zu fischen. Wir sind in den 2 Tage ungefähr 6-7 Mal umgezogen und haben die Fische um den ganzen See verfolgt. Unterm Strich hatte es sich wirklich gelohnt. Wir konnten von 17 Läufe insgesamt 13 Fische landen. Im Anbetracht, dass die Fische sehr weiche Mäuler haben und wir immer nach dem Motto „Sekt oder Selters“ vorgehen mussten, ist das ein akzeptabler Schnitt. Unter anderem waren einige der Topfische aus dem Parkteich dabei und diverse aus dem Altbestand.

Einer der besseren Fische aus dem Parkteich. Hier zählt die Größe nicht.
Ein Beauty aus dem Parklake, was will man mehr?!

Wir waren sehr zufrieden und konnten mit aufgefülltem Motivationsspeicher und stinkenden Matten weiterziehen. – Ab gehts zum zweiten See…….

Am ersten Gewässer haben wir viel Motivation getankt. Ohne Ende Motivation. Wir wussten auch genau warum. Der nächste Halt war ein mittelgroßer, sehr tiefer Waldsee mit geringem Fischbestand. Ein harter Brocken kann man sagen.

Die Abschleppkombination. Ein 4er H2, 35lb Implex und ein Tungsten Aligner.

Hier wollten wir für die nächsten Tage unsere Heringe im Boden versenken. Als wir ankamen, hatten wir grandioses Wetter. Sonnenschein, Wolken mit vereinzelten kleinen Regenschauern. Der Luftdruck war mehr als optimal und der Wind drückte in die flache, von uns vorhinein bereits präferierte Bucht. Alles ist dort übersäht mit Hindernissen: Versunkene Bäume, Kraut und überhängende Büsche – einfach perfekt. Das eigentliche Problem war, dass wir uns nicht entscheiden konnten, welche Stellen nun interessanter als die anderen sind. Wenn man so viele Möglichkeiten hat, wird es schwierig die richtige Wahl zu treffen.

Schlussendlich haben wir uns für verschiedene Variationen entschieden. Flach und tiefer, anderes Ufer und das eigene Ufer. Wir verteilten jeweils nur ein bis zwei Hände Futter bestehend aus dicken Bollen und Tigernüssen. Auf Grund der ganzen Hindernisse, setzten wir auf starkes Material. Mit 4er Univerza und 4er H2 Hooks, der 0,25er Sibra sowie der Rezista Schlagschnur gingen wir auf Nummer sicher.

Diese Kombination hat noch nicht einmal versagt und hat bisher jeden Fisch sicher gelandet. Natürlich könnte man „feiner“ fischen, aber schlussendlich ist es eine Glaubensfrage, ob die Fische es merken, ob man einen 8er oder einen 4er Haken fischt. Der Unterschied im Hakengewicht ist so minimal, das es unserer Meinung nach keinen Unterschied machen kann. Daher kommen bei uns in den allermeisten Fällen auch keine Haken kleiner als Größe 6 ins Wasser. Besser ist das.

Single Rod Zeit! Die Erfolgsrute musste im tiefen Wasser stehen, um den Winkel zu ermöglichen.

Der ganze Tag, die ganze Nacht und der gesamte darauffolgende Vormittag brachte überhaupt nichts. Es gab keine Zeichen die man deuten konnte und vor allem gab es keine Fischaktivitäten. Ich machte mich mit dem Schlauchboot auf Erkundungstour und Robin bastelte Nachschub für die Ruten. Ich fuhr den ganzen anderen Seeteil mit dem Echolot und Tastblei ab. Mein Fazit konnte ich relativ schnell fällen. Wir saßen definitiv im richtigen Seeteil und befischten die meines Erachtens besseren Stellen für die aktuelle Jahreszeit. Somit schipperte ich etwas geschlaucht und grübelnd zurück zu unserer Stelle. Als ich gerade mit dem Boot ankam, erzählte ich Robin von meinen Erkenntnissen. In diesem Moment passierte es endlich, wie aus dem Nichts, am Mittag und ohne Vorwarnung. Die am eigenen Ufer liegende Rute bretterte los. Da meine Ruten im Wasser standen und ich eine Wathose anhatte, konnte ich direkt aus dem Boot springen und die Rute aufnehmen. Nach einer ziemlich unspektakulären Flucht endete der erlösende Fettsack im Keschernetz. Wir waren platt. Es lag eine wunderschöne Perle vor unseren Füßen. Ein beschuppter Koikarpfen und dann noch in dieser Größe – sowas sieht man wahrlich nicht alle Tage.

Kurzes Foto noch und dann ging es zurück.

Guter Dinge legten wir die Rute erneut an das eigene Ufer und suchten uns für alle anderen Ruten eine neue Stelle. Wir können es an dieser Stelle kurz halten. Der restliche Tag und die Nacht brachten gar nichts mehr. Die Nacht war von brutalen Stürmen, starkem Regen und ziemlich besorgniserregenden Windgeschwindigkeiten gezeichnet. Auf Grund der vielen morschen Bäume, machten wir uns tatsächlich etwas Sorgen, aber was will man dann machen? Einpacken geht schlecht, also durchhalten.

Die Fische wurden zwar aktiver, aber dennoch blieb es verdammt ruhig. Wir hätten zwar noch bleiben können und hätten auch Bock darauf gehabt, allerdings wollten wir auch das dritte Gewässer befischen, welches wir uns vorgenommen hatten. Daher packten wir unsere Sachen zusammen, fuhren einkaufen und machten uns gegen Mittag auf den Weg zum nächsten Gewässer. Wir fuhren mit der Absicht, dass wir wiederkommen werden und das werden wir auch. Offene Rechnungen müssen beglichen werden und so ganz fertig sind wir mit dem Wässerchen nicht.

Im nächsten Teil dieser Serie werden wir Euch mit an einen interessanten Baggersee nehmen. Was dort geschah war einfach spitze.

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